Vor ein paar Jahren habe ich für mich eine neue Sportart entdeckt:
TretrollerWenn ich damit unterwegs bin und Passanten staunend fragen, was das denn für ein komisches Fahrrad ist, gebe ich immer zur Antwort:
"Ich hatte kein Geld für einen Sattel".
Mit diesem Tretroller (so die offizielle Bezeichnung) besitzt man ein vollwertiges Sportgerät. In Deutschland wird es belächelt und (rechtlich) als Kinderspielzeug eingestuft. Das hat allerdings auch gewisse Vorteile.
In Ländern wie Tschechien oder den Niederlanden ist es ein Sportgerät, welches sogar teilweise als Unterrichtsfach gelehrt wird. So wie in Deutschland Fussball an vorderster Stelle steht, wird in bspw. vorangenannten Ländern der Tretoller als DIE Sportart betrieben. Es ist deswegen auch nicht verwunderlich, dass bei Meisterschaften entweder die Tschechen (fast immer) oder die Niederländer dominieren.
Mittlerweile findet der Tretroller aber auch in anderen Ländern immer mehr Anhänger:
- Tretroller-Instruktoren werden ausgebildet ( = Befähigung zum Tretroller-Unterricht geben, habe ich letztes Jahr absolviert),
- es finden deutsche Meisterschaften statt (aktuell auf der Zeche Hugo in Gelsenkirchen, 2023 wurde ich 2. in meiner Alterskategorie),
- Tagesaktionen wie "Siegtal-pur", (von Siegen nach Siegburg, 100 km, diese Distanz habe ich 2023 gemeistert).
Ich besitze 2 Roller: einen Renn- und einen Crossroller. Generell kann man sagen, dass es die gleichen Kategorien wie beim Fahrrad gibt. Schön bei Tretrollern ist, dass sie sich fiannziell fast immer in einem sehr moderaten Bereich bewegen. Die Mittelklasse an Rollern ist meist ab 400 € zu erhalten. Die absoluten High-End Roller (Carbon-Rahmen, Carbon-Felgen und Dura-Ace Bremsen) kosten 4000 €.
Aufgrund der besseren Aerodynamik und entsprechender Körperhaltung, überholt man ohne jeglichen Aufwand bergab jeden Fahrradfahrer. Das habe ich vielfach ausprobiert.
Hat man einmal auf einem Roller gestanden und erste "Tritte" damit gemacht, den Kontakt zum Boden gespürt und die direkte Aufnahme an investierter Energie erlebt, sind viele Erstfahrer fasziniert und infiziert.
Es ist mehrfach vorgekommen (so auch bei mir), dass nach erstmaligem Fahren das Fahrrad ab da nur noch in der Ecke stehenblieb und irgendwann verkauft wurde.
Ähnlich wie beim Fahrrad gibt es die Genussroller- und die Sportrollerfahrer. Der Roller bietet unter anderem auch den Vorteil, dass quasi jeder damit fahren kann - ob alt oder jung, groß oder klein. In dieser Szene gehört es quasi zum guten Ton Roller Anderer zu probieren bzw. ihn zur Verfügung zu stellen.
Es herrscht eine ungewöhnlich freundliche Atmosphäre unter Rollernden. Auch das ist ein Grund, warum ich mich hier sehr wohl fühle.